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Ratgeber31. Juli 202613 Min. LesezeitDavid Kogan

Was kostet die Selbstständigkeit? Versicherungen, Beiträge und Fixkosten

Was kostet Selbstständigkeit wirklich? Krankenversicherung, Rente, Haftpflicht und Fixkosten 2026 mit konkreter Beispielrechnung pro Monat plus Spartipps.

Die meisten unterschätzen nicht den Aufwand, sondern die laufenden Kosten. Du rechnest mit deinem Stundensatz, freust dich über den ersten Auftrag, und dann landet die erste Beitragsrechnung der Krankenkasse im Briefkasten: gut 270 Euro im Monat, obwohl du im ersten Quartal kaum etwas verdient hast. Genau hier scheitern viele Solo-Selbstständige nicht an mangelnden Aufträgen, sondern an einer Kalkulation, die die Fixkosten ausgeblendet hat.

Dieser Artikel zeigt dir mit echten Zahlen für 2026, was Selbstständigkeit tatsächlich kostet: von der Krankenversicherung über die Rente bis zu Haftpflicht, Software und Steuerberater. Am Ende steht eine Beispielrechnung pro Monat, an der du deinen eigenen Bedarf abschätzen kannst. Wenn du gerade erst startest, lies parallel die Anleitung zum Selbstständig machen 2026.

Schreibtisch mit Versicherungsunterlagen, Notizblock und Stift bei der Kostenplanung für die Selbstständigkeit

Erst die Spartipps, dann die Details

Bevor wir jeden Posten einzeln durchgehen, hier das Wichtigste vorweg. Die größten Hebel, um deine Fixkosten als Solo-Selbstständiger niedrig zu halten:

  • Im Nebenerwerb starten. Wer angestellt bleibt und nebenbei gründet, ist über den Arbeitgeber krankenversichert. Die teuerste Einzelposition fällt damit komplett weg. Mehr dazu im Artikel nebenberuflich selbstständig machen.
  • Krankengeld-Anspruch hinterfragen. Den ermäßigten GKV-Tarif (ohne Krankengeld) wählst du, wenn du Rücklagen für Krankheitstage hast. Das spart rund 8 bis 10 Euro im Monat. Wer auf das Krankengeld angewiesen ist, sollte es aber behalten.
  • Kleinunternehmer bleiben, solange es passt. Als Kleinunternehmer nach § 19 UStG sparst du dir die Umsatzsteuervoranmeldung und damit Zeit oder Steuerberaterkosten.
  • IHK-Befreiung prüfen. Gewerbetreibende ohne Handelsregistereintrag mit Gewinn unter 5.200 Euro sind beitragsfrei. Existenzgründer zahlen in den ersten Jahren oft gar nichts.
  • Software, die mitwächst. Ein Rechnungstool wie SimplyBills startet kostenlos und kostet selbst im Vollausbau weniger als ein Kaffee pro Woche. Das ist die billigste Stelle, an der du professionell wirken kannst.

Jetzt im Detail, Posten für Posten.

Krankenversicherung: der größte Brocken

Die Krankenversicherung ist für fast alle Solo-Selbstständigen die mit Abstand teuerste Pflichtausgabe. Versichern musst du dich auf jeden Fall, die Krankenversicherungspflicht gilt auch für Selbstständige. Du hast zwei Wege.

Freiwillig gesetzlich (GKV)

Als freiwillig gesetzlich Versicherter zahlst du einen Beitrag, der sich nach deinem Einkommen richtet. Der allgemeine Beitragssatz liegt 2026 bei 14,6 Prozent, der ermäßigte (ohne Anspruch auf Krankengeld) bei 14,0 Prozent. Dazu kommt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag, der 2026 im Schnitt 2,9 Prozent beträgt, plus die Pflegeversicherung mit 3,6 Prozent (Kinderlose über 23 zahlen 4,2 Prozent).

Der Haken für Gründer: Es gibt eine Mindestbemessungsgrundlage. Auch wenn du fast nichts verdienst, rechnet die Kasse so, als hättest du 2026 mindestens 1.318,33 Euro monatlich verdient. Daraus ergibt sich ein Mindestbeitrag von rund:

  • 270 Euro pro Monat ohne Krankengeld (Durchschnittskasse)
  • 278 Euro pro Monat mit Krankengeld oder als Kinderloser über 23

Verdienst du mehr, steigt der Beitrag mit dem Einkommen, gedeckelt durch die Beitragsbemessungsgrenze von 5.812,50 Euro im Monat. Wer also über etwa 70.000 Euro Gewinn im Jahr liegt, zahlt den Höchstbeitrag. Plane realistisch: In den ersten Monaten zahlst du wahrscheinlich den Mindestbeitrag, das sind über 3.200 Euro im Jahr, bevor du überhaupt Gewinn machst.

Tipp für Gründer mit wenig Einkommen: Wenn du einen Gründungszuschuss bekommst oder dein Gewinn nachweislich unter der Mindestbemessungsgrundlage liegt, prüfe einen Härtefallantrag. Manche Kassen senken den fiktiven Mindestverdienst dann ab.

Privat (PKV)

Die private Krankenversicherung berechnet den Beitrag nicht nach Einkommen, sondern nach Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Leistungsumfang. Junge, gesunde Selbstständige zahlen oft 250 bis 400 Euro für einen soliden Tarif, im Schnitt aller PKV-Versicherten liegt der Beitrag 2026 aber bei rund 617 Euro pro Monat.

Der Vorteil: bessere Leistungen und im jungen Alter teils günstigere Beiträge als die GKV. Die Schattenseite: Die Beiträge steigen mit dem Alter und kennen kein Solidarprinzip. Eine Familie versicherst du nicht beitragsfrei mit, jedes Kind und der Partner kosten extra. Und der Rückweg in die GKV ist ab 55 praktisch versperrt. Für die meisten Solo-Selbstständigen, die flexibel bleiben wollen, ist die freiwillige GKV die sicherere Wahl. Die PKV lohnt sich eher für gut verdienende Singles ohne Kinderwunsch.

Altersvorsorge: Pflicht oder nicht?

Viele glauben, Selbstständige seien grundsätzlich von der Rentenversicherung befreit. Das stimmt nur teilweise. Es gibt mehrere Gruppen, die pflichtversichert in der Deutschen Rentenversicherung sind.

Pflichtversicherte Selbstständige

Dazu gehören unter anderem:

  • selbstständige Handwerker, die in die Handwerksrolle eingetragen sind (zulassungspflichtige Gewerke)
  • selbstständige Lehrer und Erzieher (ohne versicherungspflichtige Angestellte), wenn der Verdienst über 603 Euro im Monat liegt
  • Hebammen, Pflegepersonen, Künstler und Publizisten (letztere über die Künstlersozialkasse, siehe unten)

Der Beitragssatz beträgt 2026 einheitlich 18,6 Prozent. Wer pflichtversichert ist, kann statt des einkommensabhängigen Beitrags den Regelbeitrag von 735,63 Euro pro Monat zahlen. In den ersten dreieinhalb Jahren nach Gründung gilt der halbe Regelbeitrag, das sind 2026 rund 367,82 Euro. Handwerker können sich nach 18 Jahren Beitragszahlung von der Pflicht befreien lassen.

Künstlersozialkasse (KSK) für Kreative und Publizisten

Wenn du als Designer, Texter, Fotograf, Musiker oder Journalist arbeitest, ist die Künstlersozialkasse oft ein Glücksfall. Du bist dann pflichtversichert in Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, zahlst aber nur die halben Beiträge, wie ein Angestellter. Die andere Hälfte übernimmt die KSK aus Mitteln des Bundes und der Künstlersozialabgabe, die Unternehmen zahlen, die deine Leistungen nutzen. Diese Abgabe sinkt 2026 von 5,0 auf 4,9 Prozent.

Konkret heißt das: Statt rund 270 Euro GKV-Mindestbeitrag plus 18,6 Prozent Rente komplett selbst zu tragen, zahlst du als KSK-Versicherter auf dein gemeldetes Einkommen nur deinen Arbeitnehmeranteil. Bei niedrigem Einkommen drückt das die monatliche Belastung erheblich. Die Aufnahme ist allerdings an Bedingungen geknüpft, etwa einen Mindestverdienst aus künstlerischer Tätigkeit. Ein Antrag lohnt sich für fast jeden, der hauptberuflich kreativ arbeitet.

Was, wenn keine Pflicht besteht?

Bist du nicht pflichtversichert, etwa als Webentwickler, Berater oder Onlinehändler, musst du dich selbst um die Altersvorsorge kümmern. Niemand zwingt dich, aber niemand zahlt dir später auch eine Rente. Ein Teil deines Gewinns sollte fest in eine private Vorsorge fließen. Faustregel: 10 bis 15 Prozent des Gewinns zurücklegen.

Kostenplanung am Schreibtisch mit Taschenrechner, Stift und Notizen zur Budgetübersicht für Selbstständige

Berufs- und Betriebshaftpflicht

Wenn dir bei der Arbeit ein Fehler passiert und dadurch ein Schaden entsteht, haftest du als Solo-Selbstständiger mit deinem Privatvermögen. Genau dagegen schützt die Haftpflicht. Welche du brauchst, hängt von deiner Tätigkeit ab.

  • Betriebshaftpflicht deckt Personen- und Sachschäden ab, etwa wenn du beim Kunden vor Ort etwas beschädigst. Für Kleingewerbe und Solo-Betriebe liegen die Kosten oft bei 60 bis 200 Euro im Jahr.
  • Berufshaftpflicht (auch Vermögensschadenhaftpflicht) greift bei reinen Vermögensschäden durch beratende oder planende Fehler, also für Berater, Designer, IT-Dienstleister, Architekten. Einfache Tarife gibt es ab rund 60 Euro im Jahr, ein Grafikdesigner zahlt teils ab 64 Euro jährlich.

Für manche Berufe ist die Berufshaftpflicht Pflicht, etwa für Anwälte, Steuerberater und Architekten. Für alle anderen ist sie freiwillig, aber dringend zu empfehlen. Ein einziger Haftungsfall kann teurer werden als 20 Jahre Beiträge. Rechne grob mit 10 bis 25 Euro im Monat, je nach Risiko deiner Tätigkeit.

Optional, aber oft sinnvoll: BU und Rechtsschutz

Berufsunfähigkeitsversicherung

Das ist die am meisten unterschätzte Lücke. Wer als Solo-Selbstständiger nicht pflichtversichert ist und berufsunfähig wird, bekommt vom Staat in der Regel nichts, denn die gesetzliche Erwerbsminderungsrente gilt nur für Pflichtversicherte. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung springt ein, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst.

Die Kosten hängen stark vom Beruf ab. Ein 35-jähriger Webdesigner zahlt für 1.500 Euro Monatsrente ab etwa 38 Euro im Monat, ein gleichaltriger Maurer eher 95 bis 125 Euro, weil körperliche Arbeit ein höheres Risiko bedeutet. Insgesamt bewegt sich die Bandbreite zwischen rund 38 und 145 Euro monatlich. Je früher du abschließt, desto günstiger, weil das Eintrittsalter und der Gesundheitszustand den Beitrag bestimmen.

Rechtsschutzversicherung

Eine gewerbliche Rechtsschutzversicherung übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten, etwa bei Streit mit säumigen Kunden oder Vertragsstreitigkeiten. Für Solo-Selbstständige liegt sie meist bei 15 bis 35 Euro im Monat. Ob sie sich lohnt, hängt davon ab, wie streitanfällig dein Geschäft ist. Wer viel mit Verträgen und größeren Summen arbeitet, fährt damit ruhiger. Wer ehrlich rechnet, kann das Geld anfangs auch als Rücklage parken.

Laufende Fixkosten neben den Versicherungen

Versicherungen sind nur die eine Hälfte. Dazu kommen Kosten, die den Betrieb am Laufen halten.

Software und Tools

Du brauchst mindestens ein Werkzeug, um Rechnungen zu schreiben und deine Buchhaltung im Griff zu behalten. Hier ist die gute Nachricht: Das ist die billigste Stelle. Wer mit Word und Excel startet, zahlt nichts, verliert aber Zeit und riskiert Formfehler. Spezialisierte Lösungen kosten deutlich weniger als die großen Buchhaltungssuiten.

SimplyBills startet bei 0 Euro mit bis zu 3 Rechnungen pro Monat, inklusive ZUGFeRD, XRechnung, PDF, E-Mail-Versand und Kundenverwaltung. Der Pro-Tarif kostet 9 Euro im Monat (84 Euro im Jahr) und bringt unbegrenzte Rechnungen, Angebote, Mahnwesen, Stornorechnungen und ein GoBD-Archiv. Zum Vergleich: sevdesk und lexoffice (heute Lexware Office) liegen bei etwa 22 Euro im Monat aufwärts. Wer die einfache Linie sucht, findet in der Übersicht kostenloser Rechnungsprogramme mehr.

Geschäftskonto

Ein eigenes Geschäftskonto ist für Solo-Selbstständige keine Pflicht, aber sehr zu empfehlen, weil es Privates und Geschäftliches sauber trennt. Reine Online-Anbieter starten ab 0 bis 10 Euro im Monat, klassische Bankkonten liegen oft bei 10 bis 20 Euro. Die Kontoführungsgebühren sind als Betriebsausgabe absetzbar.

Steuerberater

Niemand zwingt dich zum Steuerberater, eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung kannst du selbst erstellen. Sobald es komplexer wird, lohnt sich Unterstützung. Für ein kleines Solo-Geschäft liegen die Jahreskosten typischerweise zwischen 600 und 1.800 Euro. Eine reine EÜR beim Steuerberater kostet oft 200 bis 500 Euro im Jahr. Tipp: Wenn deine Buchhaltung sauber digital vorliegt und du Belege strukturiert exportieren kannst, sinkt das Honorar spürbar.

IHK- oder Handwerkskammer-Beitrag

Gewerbetreibende sind Pflichtmitglied in der IHK, Handwerker in der Handwerkskammer (HWK). Freiberufler dagegen nicht. Der Grundbeitrag liegt 2026 je nach Kammer und Ertrag zwischen rund 139 und 539 Euro im Jahr. Aber: Existenzgründer ohne Handelsregistereintrag zahlen in den ersten zwei Jahren oft keinen Grundbeitrag, und wer als Kleingewerbe unter 5.200 Euro Gewinn liegt, ist von der IHK ganz befreit. Bei der HWK entfällt im Gründungsjahr der Beitrag, wenn der Gewinn unter 25.000 Euro bleibt, in den beiden Folgejahren wird nur der halbe Grundbeitrag fällig.

Beispielrechnung: Solo-Selbstständiger pro Monat

So sieht eine realistische Monatsrechnung für einen Solo-Selbstständigen im ersten Jahr aus. Beispiel: ein freiberuflicher Webdesigner, 34 Jahre, gesetzlich versichert, nicht rentenpflichtig, mit moderatem Gewinn.


Posten                              pro Monat
─────────────────────────────────────────────
Krankenversicherung (GKV, Mindest.)   270,00 €
Altersvorsorge (private Rücklage)     250,00 €
Berufshaftpflicht                      15,00 €
Berufsunfähigkeitsversicherung         40,00 €
Rechnungssoftware (Pro)                 9,00 €
Geschäftskonto                         10,00 €
Steuerberater (anteilig EÜR/Jahr)      30,00 €
─────────────────────────────────────────────
Summe Fixkosten                       624,00 €

Das sind rund 624 Euro im Monat, bevor Miete, Strom für ein Arbeitszimmer, Fachliteratur, Weiterbildung oder Marketing dazukommen. Über das Jahr gerechnet sind das etwa 7.500 Euro, die du erst verdienen musst, bevor du selbst etwas hast. Genau deshalb gehört in jede Stundensatz-Kalkulation ein Aufschlag für diese Fixkosten.

Zwei Dinge verändern das Bild stark: Im Nebenerwerb fällt die Krankenversicherung weg, dann liegst du eher bei 100 bis 150 Euro im Monat. Als Handwerker mit Rentenpflicht kommt der halbe Regelbeitrag von rund 368 Euro dazu, und du landest schnell bei über 900 Euro monatlich. Rechne immer mit deinem konkreten Fall.

Wo du als Selbstständiger Rechnungen ohnehin brauchst

Egal wie hoch deine Fixkosten ausfallen, eines ist sicher: Du musst Rechnungen schreiben, und zwar rechtssicher. Seit dem 1. Januar 2025 muss jedes Unternehmen in Deutschland E-Rechnungen im B2B-Verkehr empfangen können, auch du als Solo-Selbstständiger. Die Pflicht zum Versand kommt ab 2027 für Unternehmen über 800.000 Euro Umsatz und ab 2028 für alle übrigen B2B-Umsätze.

Dafür brauchst du kein teures Buchhaltungspaket. Ein schlankes Tool, das XRechnung und ZUGFeRD direkt erzeugt, reicht völlig und kostet einen Bruchteil deiner übrigen Fixkosten. SimplyBills ist genau dafür gebaut, für Solo-Selbstständige, die Word und Excel ersetzen wollen, ohne sich durch eine überladene Software zu kämpfen.

FAQ: Kosten der Selbstständigkeit

Was kostet eine Selbstständigkeit im Monat?

Für einen typischen Solo-Selbstständigen ohne Angestellte liegen die laufenden Fixkosten im ersten Jahr bei rund 600 bis 700 Euro im Monat. Den größten Anteil macht die Krankenversicherung mit etwa 270 Euro Mindestbeitrag aus, dazu kommen Altersvorsorge, Haftpflicht, eventuell eine Berufsunfähigkeitsversicherung sowie Software, Geschäftskonto und anteilige Steuerberaterkosten. Im Nebenerwerb, wo die Krankenversicherung über den Arbeitgeber läuft, sinkt der Betrag auf etwa 100 bis 150 Euro.

Wie viel kostet die Krankenversicherung für Selbstständige 2026?

In der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung zahlst du 2026 mindestens rund 270 Euro im Monat (ohne Krankengeld) bzw. 278 Euro (mit Krankengeld), weil eine Mindestbemessungsgrundlage von 1.318,33 Euro gilt. Mit steigendem Einkommen steigt der Beitrag bis zum Höchstbeitrag. In der privaten Krankenversicherung zahlen junge, gesunde Selbstständige oft 250 bis 400 Euro, der Durchschnitt aller PKV-Versicherten liegt bei rund 617 Euro im Monat.

Müssen alle Selbstständigen in die Rentenversicherung einzahlen?

Nein. Pflichtversichert sind unter anderem Handwerker in der Handwerksrolle, selbstständige Lehrer und Erzieher (über 603 Euro Verdienst, ohne versicherungspflichtige Angestellte), Hebammen sowie Künstler und Publizisten über die Künstlersozialkasse. Der Beitragssatz beträgt 2026 18,6 Prozent, der Regelbeitrag liegt bei 735,63 Euro im Monat, in den ersten Jahren der halbe Betrag. Alle anderen Selbstständigen können, müssen aber nicht einzahlen, sollten aber privat vorsorgen.

Was ist die Künstlersozialkasse und wer kann hinein?

Die Künstlersozialkasse (KSK) versichert selbstständige Künstler und Publizisten wie Designer, Texter, Fotografen, Musiker oder Journalisten in Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Der Vorteil: Du zahlst nur die Hälfte der Beiträge wie ein Angestellter, den Rest tragen der Bund und die Künstlersozialabgabe der Auftraggeber (2026: 4,9 Prozent). Voraussetzung ist eine hauptberuflich künstlerische oder publizistische Tätigkeit mit einem Mindestverdienst. Der Antrag lohnt sich für fast jeden, der hauptberuflich kreativ arbeitet.

Brauche ich als Solo-Selbstständiger eine Berufshaftpflicht?

Für einige Berufe ist sie Pflicht (Anwälte, Steuerberater, Architekten), für die meisten anderen freiwillig, aber dringend empfehlenswert. Beratende und planende Tätigkeiten brauchen eine Berufs- oder Vermögensschadenhaftpflicht, handwerkliche eher eine Betriebshaftpflicht. Die Kosten liegen für Solo-Betriebe oft bei 10 bis 25 Euro im Monat. Ein einziger Haftungsfall kann teurer sein als viele Jahre Beiträge.

Welche Kosten kann ich als Selbstständiger von der Steuer absetzen?

Fast alle hier genannten Posten sind Betriebsausgaben und mindern deinen Gewinn: Beiträge zur Berufs- und Betriebshaftpflicht, Software, Geschäftskonto, Steuerberater, IHK- oder HWK-Beitrag. Die Krankenversicherung und die Altersvorsorge setzt du als Sonderausgaben in der privaten Steuererklärung ab. Eine saubere, GoBD-konforme Belegablage ist Voraussetzung, mehr dazu im Artikel zu den Steuern im ersten Jahr.

Fazit

Selbstständigkeit kostet mehr als die meisten denken, aber weniger, als die Panikmacher behaupten. Der größte Posten ist die Krankenversicherung, der am häufigsten vergessene ist die Altersvorsorge. Wer von Anfang an mit rund 600 bis 700 Euro Fixkosten im Monat rechnet (oder deutlich weniger im Nebenerwerb) und diese in den Stundensatz einpreist, startet entspannt. Die billigste Stelle ist ausgerechnet die, an der du am professionellsten wirkst: deine Rechnungen.

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